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Beschwichtigungssignale beim Hund - Zucht- und Fördergemeinschaft des Polnischen Niederungshütehundes- PON VDH/FCI

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Der PON

Die Beschwichtigungssignale der Hunde


Genehmigte Auszüge aus dem obigen Buch von Turid Rugaas -Animal Learn Verlag - ISBN 3-936188-01-7

Beschwichtigungssignale- die Lebensversicherung der Hunde
In der Literatur der Wölfe finden wir bestimmte Merkmale ihrer Körpersprache beschrieben, die als "cut off signals" bezeichnet werden, weil die Beobachter gesehen haben, wie der Gebrauch dieser Signale Aggressionen stoppte. Hunde haben dieselben sozialen Fähigkeiten, Konflikte abzuwehren, wie Wölfe. Wölfe kommunizieren meist viel intensiver und direkter miteinander, aber auch unsere Hunde können ebenfalls sehr deutlich und direkt sein, aber sie haben auch eine unauffälligere und feinere Sprache - manche sprechen sie sozusagen in Kleinbuchstaben. Und um diese kleinen, feinen Signale zuerkennen, ist ein wenig Training nötig, vor allem, wenn man es nicht gewohnt ist, auf sie zu achten. Es wäre nicht ganz richtig, sie als Stoppsignale zu bezeichnen, weil die Hunde sie in der Regel bereits einsetzten, bevor es etwas zu stoppen gibt. Sie dienen als rein vorbeugende Maßnahmen, um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen. Sie sollen Bedrohungen und Probleme vermeiden, Streß und Unruhe, Nervosität, laute Geräusche und andere unangenehme Dinge beschwichtigen. Die Signale können auch der eigenen Beruhigung dienen. Wenn der Hund an der Tür sitzt, sich unbändig auf den Spaziergang freut und ganz aus dem Häuschen vor lauter Begeisterung ist, wird er oftmals gähnen, um den Streß zu mildern.


Die Signale sollen alle Beteiligten beruhigen. Hunde sind Rudeltiere, deren Sozialverhalten zu einem wesentlichen Teil durch Konfliktvermeidung bestimmt ist. Hunde, die während ihres Aufwachsens normale Möglichkeiten hatten, ihre Sprache im Zusammensein mit anderen Hunden zu entwickeln, werden in der Regel sozialverträgliche Tiere mit der Fähigkeit, Konflikte zu lösen. Haben sie einen Teil dieses so wichtigen Kommunikationssystems verloren, dann oft deshalb, weil sie von Menschen, die diese Signale falsch interpretiert oder nicht erkannten, bestraft wurden, als sie zu beschwichtigen versuchten. So wagen sie es nicht mehr, diese Signale einzusetzen. Manchmal haben sie ihre Sprache auch aufgrund von fortgesetztem Mobbing oder durch Attacken anderer, vielleicht aggressiver und schlecht sozialisierter Hunde verloren, die sie trotz aller Beschwichtigungsversuche angegriffen haben. Sofern sie einen Teil ihrer Sprache und die Fähigkeit zum sozialen Umgang behalten haben, versuchen Hunde jedenfalls ganz eindeutig Konflikte zu vermeiden. Hunde verwenden Sprache und Signale die ganze Zeit, in der sie wach sind und die geringste Kleinigkeit um sie herum geschieht.

Sehen wir uns an, welche Signale dies sind, wann und wie sie evtl. eingesetzt werden und wie wir sie erkennen können. Sie werden Ihren Hund viel besser verstehen, wenn Sie seine Signale lesen können und sehen, was er seiner Umgebung mitzuteilen versucht.
Nehmen wir nur einen ganz normalen Tag, hier drei Beispiele:
Sie beide wollen Gassi gehen, und Sie befehlen mit gereizter Stimme "sitz", weil der Hund an der Tür hochspringt und drängelt. Der Hund antwortet darauf, indem er sich die Schnauze leckt, gähnt, sich umdreht oder auch ganz still sitzt, bis Ihre Aggression vorbei ist.
Ein anderer Hund taucht in der Ferne auf, und Ihr Hund beginnt langsamer zu gehen, dreht sich vielleicht um oder schnüffelt am Boden, um ganz sicherzugehen, dass der andere Hund gesehen hat, wie freundlich er ist.
Hunde können tatsächlich in der gleichen Situation ganz unterschiedliche Beschwichtigungssignale zeigen. Ein Hund kann innehalten, still stehen bleiben, den Kopf zur Seite drehen und sich das Maul lecken, während der Hund, der auf ihn zukommt, langsam im Bogen um ihn herumgeht, am Boden schnüffelt und darauf achtet, dem stehenden Hund die Körperseite zuzuwenden. Ist ein dritter Hund anwesend, sitzt er vielleicht daneben und gähnt, oder legt sich auf den Boden. Sie geben einander verschiedene Signale, und sie verstehen sie alle, weil es ihre eigene Sprache ist, die sie von ihren Vorfahren geerbt haben.
Das Ausdrucksrepertoire des Hundes beinhaltet Drohgebärden, die auch als distanzfordernde Signale bezeichnet werden. Sie bestehen aus:
Zähnefletschen
Scheinangriff
Schnappen
Knurren
Bellen
Sie haben zum Ziel, das Unbehagen auslösende Element auf Abstand zu halten, es zu vertreiben. Das, was Hunde an uns Menschen bedrohlich finden, ist unter anderem zorniges und aggressives Verhalten, dass wir direkt auf sie zugehen, uns über sie beugen, sie anstarren, sie festhalten und ähnliches. Ein Hund wird in der Regel als erstes versuchen, den Bedroher zu beschwichtigen, es sei denn, die Bedrohung kommt völlig unerwartet, etwa wenn ein Kind stolpert und auf einen schlafenden Hund fällt. Wenn wir in der Nähe eines Hundes sind, haben wir immer die Wahl. Wir können uns drohend und damit feindlich verhalten oder beschwichtigen und damit freundlich sein. Wir haben diese Wahlmöglichkeit jederzeit, und wie immer wir uns entscheiden, es wird Auswirkungen auf unsere Beziehung zu diesem Hund haben. Wenn Sie eine drohende Haltung einnehmen, muß der Konfliktlöser Hund versuchen, Sie zu beschwichtigen. Falls dies nicht gelingt, wird er versuchen, Sie zu vertreiben.

Von wie vielen Signalen sprechen wir ?
Wir kennen achtundzwanzig, neunundzwanzig. Manche dieser Signale sind doppelt belegt, in dem Sinne, dass Sie in manchen Situationen einem anderen Zweck als der Beschwichtigung dienen. Manche werden blitzschnell, andere länger gezeigt. Es braucht wie gesagt ein wenig Zeit und Übung bevor man gelernt hat, sie alle zu erkennen, aber es ist die Arbeit und den Zeitaufwand wirklich wert. Sie werden in der Lage sein zu erkennen, was zum Beispiel in Ihrem Hundvor sich geht, wenn Sie dazwischengehen, um eine unangenehme Entwicklung zu stoppen oder ihm aus einer bedrohlichen Situation herauszuhelfen Denn schließlich Sie sind der Rudelführer, der nicht nur das Rudel leitet, sondern auch sein Rudel im Angriffsfall mitbeschützen sol1te.

Wie werden die Beschwichtigungssignale erkannt und eingesetzt?
Hier werden nun die Signa1e in zusammengefasster Form des Buches beschrieben:


Den Kopf abwenden
Der Hund dreht den Kopf erst zur einen und dann zur anderen Seite, oderer wendet den Kopf für eine längere Zeit ab. Manchmal ist die Bewegung kaum erkennbar, manchmal dreht er den Kopf beinahe übertrieben deutlich weg. Ihr Hund wird dieses Kopfabwenden vielleicht einsetzen, wenn ein anderer Hund ein bisschen zu schnell oder zu direkt auf ihn zukommt. Ihr Hund könnte auch den Kopf zur Seite drehen, wenn Sie sich über ihn beugen, umarmen, hochheben oder Sie seine Ihnen abgewandte Körperseite tätscheln. Vielleicht steht er still, wendet aber den Kopf ab - das reicht schon, um Ihnen zu sagen, dass er sich in der momentanen Situation unwohl fühlt. Sie können dieses Signal auch selbst wirkungsvoll einsetzen. Falls ein Hund sich unsicher verhält oder Beschwichtigungssignale aussendet,  während Sie auf ihn zugehen, sollten Sie den Kopf abwenden.

Der Gebrauch der Augen; Augenlider senken, Augenzwinkern
Manchmal wendet der Hund den Kopf gar nicht oder nur minimal ab, sondern läßt statt dessen nur die Augen von einer Seite zur anderen wandern und zieht es vor, stocksteif zu sein. Das wird beispielsweise so sein, wenn Sie den Hund umschlungen halten und ihm so die Möglichkeit nehmen, den Kopf wegzudrehen. Manchmal lässt er nicht nur seine Augen gleiten, sondern er blinzelt auch noch recht hastig. In wieder anderen Fällen wird er die Augen nur auf- und zumachen und sie nicht nach links und rechts rollen. Auch dieses Signal können Sie selbst anwenden, wenn ihnen die Möglichkeit fehlt, den Kopf  zu wenden wie z.B. wenn der angriffsbereite Hund  bereits vor ihnen steht. Der Gebrauch der Augen kann auch darin bestehen, "den Blick zu verkürzen". Das bedeutet, nicht zu starren, sondern die Augenlider zu senken und dadurch den Blick weicher zu machen.

Sich abwenden; Kopf, Seite, Rücken
Jemandem die Flanke oder das Hinterteil zuzudrehen ist ein stark beschwichtigendes Signal. Dieses Signal zeigen Hunde oft, wenn jemand plötzlich auftaucht oder zu schnell auf sie zugeht. Wenn sich erwachsene Hunde von Welpen und Junghunden zu sehr geplagt fühlen, wenden sie sich in den meisten Fällen ab. Sie selbst können dieses Signal anwenden, wenn sich ein Hund von Ihnen bedroht fühlt und bereits aggressiv ist, indem Sie sich wegdrehen. Auch wenn Sie ein Hund vor Freude anspringt, drehen Sie ihm den Rücken zu. Vergessen Sie aber nicht, ihn dann zu begrüßen und zu loben, wenn er verstanden hat und nicht mehr springt.

Die Nase lecken
Der Hund leckt sich das Maul mit einer raschen Zungenbewegung, in der Regel hinauf bis zur Nase, aber nicht immer. Das Lecken geschieht oft so schnell, dass man es fast nicht bemerkt. Ein Hund macht das oft, wenn er einem anderen Hund begegnet oder Sie sich zum Beispiel über ihren Hund, beugen, ihn greifen, mit ärgerlicher Stimme ansprechen oder festhalten. Sie können dieses Signal natürlich bis zu einem gewissen Grad auch selbst anwenden, indem Sie sich mit der Zunge über den Mund fahren. Aber es gibt natürlich auch Situationen, in denen das eher seltsam auf Ihre Mitmenschen wirkt.

Das Erstarren /Einfrieren
Ihr Hund wird manchmal in stehender, sitzender oder liegender Haltung "einfrieren" und sich vollkommen passiv verhalten, um sein Gegenüber zu beschwichtigen. Zwei Rüden, die sich treffen, werden sich sehr vorsichtig und abwägend verhalten, um keinen Konflikt heraufzubeschwören. Sie werden sich oftmals langsam bewegen und plötzlich in eingefrorener Stellung verharren, bis sich einer von ihnen langsam entfernt. Wenn Sie Ihrem Hund voller Zorn oder Aggression ein Kommando geben, werden sie nicht selten sehen, dass der Hund wie festgefroren in seiner Position erstarrt und so aussieht als hätte er überhaupt nichts gehört. Auch Sie können dieses Signal einsetzen indem sie stocksteif stehen und blinzeln, dann Kopf abwenden und sich langsam entfernen.

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